Projektverlängerung 2019-2021

Selbstbestimmung und Integration im Dialog der Konfessionen und Religionen

Das Projekt

Gesellschaftswissenschaftliches Institut München für Zukunftsfragen e.V.

  • DITIB Jugend Bayern
  • Eugen-Biser-Stiftung
  • Generalkonsulat des Staates Israel
  • Griechisch-orthodoxe Metropolie von Deutschland Vikariat in Bayern
  • Hanns-Seidel-Stiftung
  • IN VIA Bayern
  • Katholische Erziehergemeinschaft (KEG)
  • Landesverband der israelitischen Kultusgemeinden in Bayern
  • Literaturschloss Edelstetten

AIPSO (Akademie und Institut für Politik- und Sozialwissenschaften)

Im September 2016 startete das Projekt „Selbstbestimmung und Integration“. Der Ursprung dafür lag in der immer heterogener werdenden Gesellschaft. In der Zwischenzeit ist die Integration vieler der im Jahr 2015 Zugewanderten fortgeschritten. Auch Zugewanderte, die bereits seit langem hier sind, sind teilweise gut integriert, leben allerdings ihre Religion vielfach isoliert. Das heißt, für viele wurde ihre Religion zum Mittelpunkt ihres privaten Lebens und damit sogar von größerer Bedeutung, als es noch in ihrem Heimatland der Fall war. Gerade bei Menschen, die außerhalb ihres religiösen und kulturellen Herkunftsraumes leben, verstärken sich häufig die Gewohnheiten ihres Herkunftslandes. Dies hängt zum einen damit zusammen, dass aufgrund der Unsicherheit am neuen Lebensort der Glaube für den Einzelnen wichtiger wird, und zum anderen gibt ein Glaube dem Einzelnen Halt in einer Welt, in der man sich als nicht völlig integriert betrachtet und daher glaubt, nur in der eigenen Gruppe Anerkennung zu erfahren (Taylor 1997, S. 14ff). Auch die Globalisierung führt dazu, dass Menschen einerseits weltoffen sind, andererseits sich aber aufgrund der damit einhergehenden Unsicherheiten verstärkt in ihre eigenen Bräuche, Traditionen und auch Religionen zurückziehen. Durch die intensivere Pflege der „Herkunftsreligion“ verstärkt sich das Zusammengehörigkeitsgefühl in ihrer eigenen religiösen Gruppe und grenzt sie gleichermaßen immer weiter von der Mehrheit der Gesellschaft ab. Die Mehrheitsgesellschaft ihrerseits glaubt, dass sich diese Zugewanderten nicht integrieren wollen. Die Folge davon ist Abgrenzung und Ausgrenzung von beiden Seiten.

Wenn die einzelnen Minderheitengruppierungen wenig Kontakt miteinander haben, entwickeln sie sich immer weiter auseinander und dies kann nicht nur eine Fragmentierung der Gesellschaft auslösen, sondern kann zu Konflikten führen. Hieraus kann ein Konfliktpotential entstehen, welches jedoch durch beständige Auseinandersetzung präventiv eingedämmt werden kann.

Religionen prägen unsere Gesellschaft und leisten einen wertvollen Beitrag für das Zusammenleben der Mitglieder dieser Gesellschaft. Religionen prägen die Grundhaltung von Menschen und vermitteln Werte, die sie dazu motivieren, einen gemeinschaftsbildenden Beitrag zu leisten und damit den Zusammenhalt zu stärken. Auch können religiöse Überzeugungen dazu führen, dass sich Menschen für andere einsetzen.

Wenn nun die verschiedenen Religionen und Konfessionen nichts miteinander zu tun haben, oder gar wenn bspw. Juden, Christen und Muslime trennende Mauern bilden, dann entwickeln sich nach und nach die Werte der Religionen bzw. Konfessionen immer weiter auseinander. Die Folge davon ist Unverständnis für den jeweils anderen. Das Grundgesetz gewährt das Grundrecht der Religionsfreiheit, verlangt aber gleichzeitig die Einhaltung der rechtsstaatlichen Normen. Hier ist die Überlegung, wie wir es schaffen können, die jeweiligen freiheitlichen und letztendlich demokratiekompatiblen Strömungen zu stärken. Es ist doch gerade der politische Liberalismus aus dem Geiste der Religionen entstanden. So hat der Monotheismus die Möglichkeit eröffnet, von Sünde, Glaube und Moral als personalen Größen zu reden (Assmann 2003, 154ff). Dies ist eine Gemeinsamkeit aller monotheistischen Religionen und kann als Chance für den Zusammenhalt in einem liberaldemokratischen Rechtsstaat gesehen werden, der sich seiner eigenen Wertquellen zwar bewusst ist, sich jedoch zur Neutralität verpflichtet hat. Dies kann auch zur Chance für eine konstruktive Weiterentwicklung unseres demokratischen Miteinanders werden.

Nun hat die Vielfalt der religiösen Überzeugungen immer wieder zu Konflikten unter den Menschen geführt und viele Kriege und Schlachten sind angeblich um „der Religion Willen“ ausgetragen worden. Irrelevant ist dabei die Überlegung, ob die Religion von politischen Eliten zum Vorwand für die Ausweitung von Macht herangezogen wurde oder ob es wirklich der religiöse Glaube selbst war, der zu vielen Konflikten und gewalttätigen Auseinandersetzungen geführt hat. In beiden Fällen wird damals wie heute Kriegen eine heilige Bedeutung gegeben und von heiligen und gottgeweihten Kriegen geredet. Bis heute sind Abgrenzungen und Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen Glaubensbekenntnissen und Überzeugungen in unserer technisch hochentwickelten Welt geblieben: Vorurteile, Differenzen und Fanatismus trennen die Völker weiterhin in unterschiedlichem Ausmaß obwohl doch der Friedensauftrag in allen Religionen zu finden ist. Jesus sagte: ‚Ich bin gekommen, das Gesetz zu erfüllen, nicht aber, um ein neues Gesetz zu geben.‘ Prophet Muhammad betonte immer wieder, er sei gekommen, um Christentum und Judentum zu ergänzen.

Wenn Religionen für die Erhaltung von Ordnung und Frieden mitverantwortlich sind, dann kommt diese Verantwortung in einem interreligiösen Dialog zum Ausdruck. Dies heißt nicht, dass Unterschiede nivelliert werden sollen.

Angehörige von Religionen haben ihr zu respektierendes eigenes religiöses Ideal. Für sehr viele Gläubige ist das eine tiefe Überzeugung. Vor diesem Hintergrund ist es konstruktiv, wenn sie mit Anhängern unterschiedlicher Religionen diskutieren und so ein gegenseitiges Verständnis entwickeln. Sie können erfahren, dass ihre Religion nicht die einzig heilbringende ist, sondern auch andere Religionen etwas Besonderes haben oder es gar Gemeinsamkeiten gibt, die für die Gemeinschaft von großem Wert sein können. Der interreligiöse Dialog hat das Potential, Konflikte und damit Gewalt abzuwenden und die eigene Religion in den Gesamtzusammenhang zu rücken.

Bereits aus diesen Worten wird klar, dass die Gewalttaten oder -anwendungen von religiösen Gruppierungen nichts mit der Idee der Religion zu tun haben. Wir versuchen in diesem Projekt die Demokratie zu fördern, indem wir Angehörige verschiedener Religionen, aber auch Menschen ohne religiöse Zugehörigkeit zum Dialog einladen. Wir wollen, dass sich Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen sowie Menschen, die keiner solchen angehören, zusammenfinden und über ihre Religion und ihren Glauben oder Nichtglauben diskutieren.

Wie kann man Foren schaffen, in denen es Möglichkeiten gibt, dass sich Menschen begegnen, die aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Glaubensrichtungen kommen? Wie kann man bewirken, dass dies nicht nur an einem Abend geschieht, sondern dass dies längerfristig Bestand haben kann? Welches Wissen kann aus einem solchen Versuch der aktiven Begegnung gezogen werden? Können, neben den Erfahrungen für die Einzelnen, daraus Erkenntnisse für die Politik, die Wissenschaft oder auch die Gesellschaft gezogen werden?

Zusätzlich zu den Inhalten und Themen rund um die Religion und die Integration, die wir aus dem Vorgängerprojekt „Selbstbestimmung und Integration“ weiterführen wollen, steht für uns die Förderung der Demokratie im Mittelpunkt. Wir wollen durch Interaktion, Partizipation, Erfahrung und auch das Kennenlernen der jeweils anderen Kultur Integrationsmöglichkeiten schaffen, die nicht nur für die Geflüchteten, sondern auch für die Einheimischen von großer Relevanz sind. Integration funktioniert niemals einseitig. Nur wenn beide Seiten darauf hinarbeiten kann dies gelingen.

Angedacht sind – wie beim Vorgängerprojekt „Selbstbestimmung und Integration“ – zwei Kongresse mit einer Vielzahl unterschiedlicher, interaktiver Workshops und Aktivitäten im Abstand von einem Jahr, so dass in der Zwischenzeit in Multiplikatorenschulungen (mehrere Module) weitere Anbieter von Workshops ausgebildet werden können. Die Veranstaltungen sollen nicht zuletzt dazu beitragen, selbstbestimmt, eigenverantwortlich und selbstreflexiv mit sich wandelnden gesellschaftlichen Herausforderungen umzugehen. Um diese Ziele erreichen zu können, muss das Zusammenleben in unserer Gesellschaft als ein Miteinander erlebt werden, es soll als Lebensform erfahrbar werden, wie Himmelmann konstatiert: "Es geht […] nicht um 'Belehrung', sondern um die Ermöglichung der Sammlung von konkreten 'Erfahrungen' mit Demokratie in der vielfältigsten Form und es geht um das 'Wachstum dieser Erfahrung'...Gemeint ist dabei die 'face-to-face'-Ebene der Demokratie.“

Die Teilnehmenden sollen die Erfahrung der Möglichkeit eines offenen und freien Dialoges zwischen Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Religionen machen. Der religiöse Dialog und die neuen Gedanken sollen in öffentlichen Räumen erlebbar werden.

Bei beiden Kongressen soll wieder – wie beim Vorgängerprojekt – ein musikalisches Programm stattfinden, welches hier die verschiedenen religiösen Musikgestaltungen zeigen soll. Auch über Musik sollen sich Menschen unterschiedlicher Kulturen begegnen oder gemeinsame Interessen finden.

Eine interaktive Internetplattform soll Partizipation ermöglichen und den Projektverlauf anschaulich und nachvollziehbar dokumentieren und für eine nachhaltige Ergebnissicherung sorgen.

Die Begeisterung, Motivation und die Erfahrung gelebter Demokratie im Projekt „Selbstbestimmung und Integration“ haben uns ermutigt, dieses Konzept weiter zu entwickeln.

Am Kongress am 30.04.2020 in der Hanns-Seidel-Stiftung sollen ca. 80 - 120 Personen teilnehmen. Es werden tagsüber parallel Workshops in drei Panels stattfinden. Die Workshops betreffen die gesellschaftliche und politische Bildung sowie den interreligiösen Dialog. Im Vorfeld des Kongresses finden in den jeweiligen religiösen Gemeinschaften verschiedene Veranstaltungen zu dem gemeinsam gewählten Thema „Vielfalt erLEBEN“ statt.

Der zweite Kongress findet voraussichtlich im April 2021 statt und gibt den ausgebildeten Multiplikatoren die Möglichkeit, ihre Workshops anzubieten.

1.Vor-Veranstaltungen (vor Einführungskongress)

  • DITIB Jugend Bayern: Interreligiöse Tagung in den Gemeinderäumen der Moschee am Tag der offenen Moschee am 3. Oktober 2019
  • Griechisch-Orthodoxe Metropolie: Interreligiöses Konzert am 1. Februar 2020
  • GIM: Podiumsdiskussion im Salon Luitpold mit Vertretern unterschiedlicher Konfessionen und Religionen am 23. April 2020
  • Es folgen noch weitere Podiumsdiskussionen an verschiedenen Orten

2. Erster Kongress am 30. April 2020, 00 Uhr bis 22.00 Uhr

Ort: Hanns-Seidel-Stiftung, München, Lazarettstraße 33, 80636 München

3. Multiplikatorenschulungen an mehreren Wochenenden

4. Zweiter Kongress im April 2021

Inhaltliche Ausgestaltung des ersten Kongresses am 30.04.2020

Für Informationen über die Workshops und den Tagesablauf klicken Sie bitte HIER.