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75 Jahre nach dem Holocaust: An Jom Kippur wird eine deutsche Synagoge angegriffen, der mit Helmkamera ausgerüstete Täter streamt die Tat live in Egoshooter-Perspektive auf einer Gaming Plattform. Innerhalb von Minuten wird das Video bei mindestens zehn Kanälen auf Telegram gepostet, die von Rassisten und Suprematisten abonniert sind. Der Täter sagt vor Gericht aus, dass die Übertragung für ihn wichtiger sei als die Tat, denn er habe Gleichgesinnte zur Nachahmung anregen wollen.

„Die Sorgen der Menschen müssen ernst genommen werden“, meinten Politiker aus allen Parteien jahrelang als Reaktion auf radikale Forderungen wie sie u.a. auf PEGIDA-Demonstrationen geäußert wurden. War das die richtige Strategie?

Mittlerweile hat das Bundesamt für Verfassungsschutz den Rechtsextremismus zum neuen Schwerpunkt gemacht. 13.000 Rechtsextreme werden als gewaltorientiert eingestuft, antisemitische Straftaten sind um 17 Prozent gestiegen. Die Täter nennt Verfassungsschutzchef Haldenwang den „leibhaftig gewordenen Hass“.

In seinem Institut für Sozialforschung widmete sich Adorno bereits in den 1920er Jahren als einer der ersten psychologischen Dynamiken und ihrer Verbindung zu gesellschaftlichen Phänomenen, Sozialpsychologen untersuchen weiterhin die Verbindung von Autoritarismus und Rechtsextremismus. Die aktuelle Konflikt- und Gewaltforschung ermittelt einen zwanzigprozentigen Anteil von Personen in Deutschland, die „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ befürworten. Wer sind die Hasstäter? Welche Menschen können wir mit Aufklärung und Dialog überhaupt erreichen? Wie schützen wir Betroffene?

Wir laden Sie ein zu einer interdisziplinären Diskussionsrunde.

Vorgesehen sind ein 10-minütiges Impulsreferat aller Expert/innen, anschließend eine moderierte Podiumsdiskussion, dann eine Aufteilung des Publikums in vier Gruppen und eine alle zehn Minuten rotierende Diskussionsrunde mit jedem Experten:

  • Dr. Alexander Yendell, Soziologe und Hochschullehrer, Leipziger Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Vorstandsmitglied des Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung an der Universität Leipzig, Sprecher der Sektion Religionssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.
  • Dr. Florian Hartleb, Politikwissenschaftler, Hochschullehrer Katholische Universität Eichstätt und Hochschule der Polizei Sachsen-Anhalt, Autor u.a. Einsame Wölfe. Der neue Terrorismus rechter Einzeltäter.
  • Klaus-Dieter Hartleb, Oberstaatsanwalt und Hate Speech Beauftragter der bayerischen Justiz.
  • B.U.D. Bayern, bietet Beratung und Unterstützung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt oder Bedrohung.

Moderation: Corinna Wagner

Anmeldung über info@gimuenchen.de

Dies ist eine Veranstaltung innerhalb des Projekts  „Antisemitismus – Nein Danke“ in Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung im Rahmen des Festjahres 2021 JLID unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.