Die Tagung „Über ‚Täter‘ und ‚Opfer‘ in der Demokratie“ findet am Samstag, 25. Februar 2017 von 14.00 bis 21.30 Uhr im im Bayerischen Landtag in München statt.

Sie wird ausgerichtet vom Gesellschaftswissenschaftlichen Institut München (GIM) in Kooperation mit dem C·A·P und dem Netzwerk politische Bildung Bayern.

Sie thematisiert die zunehmende Spaltung gesellschaftlicher Diskurse, die zu gegenseitiger Abwertung und zu Pauschalisierungen führt. Die Tagung zeigt Wege auf, wie politische Bildung als Beitrag zum Demokratie-Lernen Auswege aus dieser Dichotomie aufzeigen kann.

PROGRAMMPUNKTE

Interdisziplinäre Inputs, parallele Workshops und Plenumsvorträge zur Thematik.

Abends Podiumsdiskussion mit

MdL Robert Brannekämper (CSU)
Münchens Oberbürgermeister a.D. Christian Ude (SPD)
Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld (C·A·P )
Moderation: Dr. habil. Karin B. Schnebel, 1. Vorstand GIM

Eine Anmeldung ist über karin.schnebel@gimuenchen.de möglich. Weitere Informationen finden Sie hier.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN ZUR TAGUNG

Gerade im Zusammenhang mit der Flüchtlingsthematik lässt sich eine Eskalation des politischen Streits feststellen: Die Fronten zwischen PEGIDA, AFD und Co. auf der einen Seite und zivilgesellschaftlichen Akteuren einer Willkommenskultur auf der anderen Seite verhärten sich. Vergleicht man beispielsweise die Einträge auf den Facebookseite von PEGIDA und PEGIDA#watch zeigt sich nicht nur eine klare Abwertung der jeweils anderen Gruppierung, sondern auch ein starker Hang zur Selbstgerechtigkeit und zur Diskreditierung des „Feindes“. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass sich beide Seiten der Konfliktgegner oftmals als diskriminiertes „Opfer“ der jeweils anderen Seite empfinden, gegen die man sich zur Wehr setzen müsse.

Betrachtet man die inhaltliche Seite der Flüchtlingsthematik lässt sich oftmals ebenfalls eine Täter-Opfer-Sprache identifizieren. Sei es wenn die Mehrheitsgesellschaft Minderheiten vorwirft, diese wollten einen ohnehin nur ausnutzen und seien gar nicht bereit, sich zu integrieren oder wenn Minderheiten der Mehrheitsgesellschaft pauschal den Vorwurf machen, diese würde sie diskriminieren und ablehnen.

Und auch bei dem Thema „Politikverdrossenheit“ finden sich Hinweise darauf, dass viele Bürger/innen hier in einer Täter-Opfer-Logik denken, beispielsweise wenn die eigene Ohnmächtigkeit gegen „die da oben“ thematisiert wird oder gar Verschwörungstheorien vorgebracht werden. Umgekehrt sehen sich wiederum auch Politiker/innen als Opfer einer pauschalen Verunglimpfung ihres Berufsstandes und unfairer öffentlicher Angriffe.

Woher aber kommt die Tendenz, in der Demokratie von Tätern und Opfern zu sprechen? Und lassen sich mit diesen Begriffen politische Phänomene in der Demokratie angemessen beschreiben? Wo haben wir es in der Demokratie wirklich mit Täten und Opfern zu tun? Und wo ist die Verunglimpfung der anderen als Täter und die Selbstinszenierung als Opfer nur ein Mittel in der politischen Auseinandersetzung? Welche Gefahren liegen in der Opfer-Täter-Logik? Und wie kann politische Bildung auf diese Problematik angemessen reagieren?

Wir freuen uns darauf, mit Ihnen diese und weitere Fragen zu diskutieren!

Dr. phil. habil. Karin B. Schnebel
(Vorsitzende des Gesellschaftswissenschaftlichen Instituts München für Zukunftsfragen)